20.07.2021

Wie geht es nach der Sommerpause weiter?

Bei Biogen werden den Mitarbeitenden derzeit 50 Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.

Bei Biogen werden den Mitarbeitenden derzeit 50 Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.

Mit den Ferien nehmen viele auch Abstand vom Homeoffice. Wie haben sich grosse Baarer Unternehmen mit der Heimarbeit arrangiert?

«In der ersten Phase (Empfehlung Homeoffice) konnten die über 600 Mitarbeitenden frei entscheiden, ob sie zu Hause oder unter Einhaltung des Sicherheitskonzepts im Büro arbeiten wollten», erklärt Alessandro Marcuzzi, Standortleiter am internationalen Hauptsitz von Biogen. Belegt wurde maximal die Hälfte der Arbeitsplätze. Dasselbe Konzept setzte die Glencore International AG für ihre 900 Mitarbeitenden um. Wie bei der Alfred Müller AG und der Einwohnergemeinde oblag den Geschäftsbereichen die Regelung der Vor-Ort-Präsenz. 
In der Phase 2 (Homeoffice­pflicht) haben alle Mitarbei­tenden top mitgemacht, so der Tenor der kontaktierten Unternehmen. Sarah Antenore, Medienbeauftragte der Glencore AG, sagt: «Die Geschäftsreisen wurden natürlich weniger. Insgesamt waren wir aber gut vorbereitet auf das Arbeiten von zuhause. Die notwendige IT war schon vorhanden und konnte mitgenommen werden.» 

Der persönliche Austausch fehlt und reduziert die Qualität

David Hossli, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, erzählt, dass das Spektrum der Feedbacks der gut 200 Mitarbeitenden auf Homeoffice gross sei. «Es reicht von der totalen Zustimmung bis zur Ablehnung. Das ist nachvollziehbar. Je nach Wohnsituation, persönlichen Möglichkeiten, Jobprofil und Fähigkeiten sind die Präferenzen und der Umgang mit Homeoffice unterschiedlich.» «Seit etwa drei Wochen sind wir in Phase 3 und stellen eine gewisse Müdigkeit bei unseren Mitarbeitenden fest», erklärt Alessandro Marcuzzi. «Die Nähe und die Zusammenarbeit haben in unseren interdisziplinären Teams gelitten. Die Leute wollen zumindest zeitweise wieder zurück ins Team.» Priorität habe jedoch die Sicherheit. 
Bei Biogen haben Geimpfte und Genesene freien Zutritt zum ­Gebäude, die weiteren Mitarbeitenden machen wöchentlich einen Spucktest, wobei anonym bleibt, wer welcher Gruppe angehört. Auf die Zukunft von Homeoffice angesprochen, sagt David Hossli: «Homeoffice funktioniert grundsätzlich. Es ist ein Bedürfnis vieler Arbeitnehmenden, ein paar Tage flexibel oder remote arbeiten zu dürfen. Für uns stellt sich die Frage, welche Bedeutung das Thema in Bezug auf die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber hat. Wir sehen auch klar die Vorteile der Arbeit im Büro. Teamspirit, den informellen Austausch und die Innovationskraft ­erachten wir als stärker und besser, wenn persönliche Gespräche stattfinden können.» Gedanken über die Zukunft von Homeoffice macht sich auch Glencore für seine rund 900 Mitarbeitenden in Baar, doch «wie es nach Corona weitergeht, kann derzeit noch nicht gesagt werden», so Sarah Antenore.


Mehr Flexibilität dürfte weiterhin wichtig bleiben

Bei Biogen können sich die Mitarbeitenden seit Phase 3 auf einer Plattform eintragen, wenn sie einen Arbeitsplatz reservieren möchten. «In der Phase 1 war rund die Hälfte der Plätze verfügbar, in der Phase 2 nur vereinzelte bei dringendem Bedarf, aktuell sind wir wieder bei 50 Prozent», erklärt Alessandro Marcuzzi. Mittels dieses Systems könne das Unternehmen stets flexibel auf die jeweiligen Anforderungen reagieren. Folgen aus solch flexiblen neuen Modellen seien für den Immobilienmarkt relativ schwierig zu prognostizieren, sagt David Hossli: «Die Tendenzen gehen in beide Richtungen: verkleinern und auf Homeoffice setzen oder sogar vergrössern, um grössere Büro­räume mit mehr Distanz zu ermöglichen. Ich gehe heute davon aus, dass es eine Veränderung in der Art und Weise geben wird, wie die Büros genutzt werden: Durch Homeoffice dürfte die Nachfrage nach klassischen Büroflächen kleiner werden, dafür werden mehr Räume für den Austausch und die Kreativität ­geschaffen.»