10.08.2021

«Baar ist sehr glimpflich davongekommen»

Stabschef Max Uebelhart: "Wir haben viel erreicht. Derzeit stehen in Baar keine dringlichen Baumassnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen an."

Stabschef Max Uebelhart: "Wir haben viel erreicht. Derzeit stehen in Baar keine dringlichen Baumassnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen an."

Max Uebelhart ist ein gefragter Mann, wenn sich die Situation in Baar zuspitzt. Im Interview schaut der Stabschef zurück auf die regen­reichen Wochen.

Sonne, Badewetter, hohe Temperaturen – all das hat in diesem Baarer Sommer Seltenheitswert. Stattdessen fielen Regen und Hagel im Überfluss. 


Max Uebelhart, wie haben Sie die zahlreichen Unwetter erlebt? 
Am 13. Juli hat der kantonale Führungsstab alle gemeindlichen Stabschefs kurzfristig zu einem ersten Rapport aufge­boten. Hauptthema war der Damm in Hünenberg. Aber wir haben fortan auch die Lorze beobachtet. Ich ging selbst schauen, zudem machten die Wasserwerke Zug, der Werkhof und die Korporation Baar-Dorf regelmässig Kontrollgänge. Ausserdem galt es, den gemeindlichen Führungsstab zu organisieren, Ferienabwesenheiten zu klären, sich bereit zu machen für ein Ereignis wie 2011, als es im Lorzentobel die grossen Rutschungen gab. Wir waren jederzeit einsatzfähig.

Die Lorze wurde in den vergangenen Jahren auf Baarer Boden weitgehend renaturiert. Es gab diesen Sommer wenig nennenswerte Überschwemmungen. Ist das eine Folge der vorangegangenen Investitionen? 
Ja, diese haben sich bewährt. Unter anderem wurden beim Eingang zum Höllwald Auffangpfosten in der Lorze angebracht. Das Material, das sich dort ansammelt, wird von der Korporation entfernt. Es geht stets darum, dass sich das Wasser nicht staut – denn bildet sich ein See, riskiert man plötzliche, bis zu zehn Meter hohe Flutwellen mit etlichem Geschiebe.

Das Lorzentobel gilt als besonders fragiles Gebiet.
Das Lorzentobel ist lebendig, stets in Bewegung, es gibt überall Rutschhänge, es ist durchdrungen von Quellen. Wasser im Hang sorgt für eine gewisse Unstabilität. Es ist Fluch und Segen. Auch hier gilt es, Stauungen zu vermeiden, damit die Lorze nicht dichtmacht. Wir hatten Glück. In der fragilen, seit 2011 sehr aktiven Kurve rutschte nur so viel Material in den Fluss, wie er mitschwemmen konnte. 

Ein Wanderweg wurde dennoch gesperrt.
Am 16. Juli ging zwischen Schmittli und der alten Lorzentobelbrücke eine grössere Rutschung ab. Deshalb mussten wir den Lorzentobelweg nach dem Eingang zu den Höllgrotten hoch zum Schmittli sperren. Das ist schon vorne am Waldeingang gross signalisiert. Dennoch gibt es Leute, die diese Bauabschrankung umgehen und sich auf diesen Weg machen. Das ist gefährlich! 

Beim Schmittli gab es eine grössere Überschwemmung. Wird der Ausfluss des Ägerisees nicht reguliert?
Der Ausfluss ist reguliert. Irgendwann kann nicht mehr Wasser durch die Lorze abfliessen. Würde man mehr Wasser durch die Lorze ablassen, käme es an anderen Stellen, in den Wohngebieten in Unterägeri, zu Überschwemmungen. Mit dem Risiko, dass der Ägerisee zu hoch steigt und über die Ufer tritt, muss man quasi leben. 
Abgesehen von der Lorze traten in der Vergangenheit auch diverse Baarer Bäche über ihre Ufer und sorgten da und dort für überschwemmte Keller und Tiefgaragen. 
Diese Bäche sind ebenfalls renaturiert worden und diesmal nicht über ihre Betten ­hinausgestiegen, obschon die Wasserpegel massiv angestiegen sind. Das gilt für den ­Höllbach, der früher stets den Campingplatz überflutete ebenso für die Bäche in Inwil, die im Zusammenhang mit dem Bau der Tangente renaturiert wurden. 

Ist die Gemeinde Baar also bestmöglich vor Überschwemmungen geschützt oder gibt es noch Schwachstellen?
Im Moment sehe ich keine weiteren dringenden Massnahmen in Baar. Wir haben viel erreicht. Innerhalb des Kantons wurde seit den grossen Unwettern 2005 sehr viel gemacht, um Schwachstellen zu beheben. Dass seit 15 Jahren mit dem Kanton Aargau über den Reussdamm diskutiert wird, passt nicht dazu. Das Problem muss gelöst werden.