Jubiläum
Zug feiert 600 Jahre Wallfahrt nach Einsiedeln
Martin Spillmann. Foto: zvg
Wozu gibt es eigentlich die Schweiz? Die Verfassung nennt es gleich zu Beginn: Die Eidgenossenschaft «schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.» Leider wurde diese Aufgabe in den letzten Jahren immer schwieriger. Denn vorbei ist die friedliche, stabile Nachkriegszeit. Heute leben wir in einer Welt brachialer Unordnung, in der sich die Starken durchsetzen und die Schwachen das Nachsehen haben. Der Kanadische Premierminister Mark Carney brachte dies in seiner viel beachteten Rede am WEF so auf den Punkt: «Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte». Die Schweiz als wohlhabendes, zurückhaltendes Land, das keiner Allianz angehört, ist ein Filetstück auf dieser Speisekarte der Mächtigen! Trump hat sich bereits bedient. Auch Putin gegenüber sind wir längst ausgesetzt. Bisher halten wir uns gerne raus («Sonderfall»), und hoffen dabei, dass es uns nicht so schlimm oder als letzte trifft. Das ist aber gefährlich. So mangelt es uns heute nicht nur an Luftabwehr, sondern auch an Freunden. Wir sind nicht mehr Sonderfall, sondern Sonderling. Ein Träumer, wer so weitermachen will. Die gute Nachricht: Es gibt Länder, welche Werte der Aufklärung und der liberalen Demokratie mit uns teilen. Viele davon sind Nachbarländer. Wo die Welt zum Dorf wurde, bilden die Nachbarn mit uns ein Quartier. Für die Sicherheit in unserem Hause und im Quartier muss sich auch die Schweiz einsetzen, etwa durch gemeinsame Beschaffung von Rüstungsgütern (günstiger) durch abgestimmtes Handeln (mächtiger), einheitliche Standards (resilienter) und geteilte Lasten (solidarischer). Das zeigt Verantwortung und es macht uns souveräner. Unverständlich hingegen wäre es, ausgerechnet jetzt bewährte bilaterale Verträge zu kündigen und gute Beziehungen kaputt zu machen. Lassen wir uns auch nicht von Ängsten und alten Mythen verleiten. Vergessen wir etwa die Hellebarde (wie schrieb Peach Weber kürzlich in einer Kolumne: «Die eignet sich höchstens als Zahnstocher Putins »).
Martin Spillmann, GLP Zug
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