Jubiläum
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Michèle Schmid-Schuler. Foto: zvg
Wer heute ein Klassenzimmer betritt, sieht vor allem eines: Vielfalt. Kinder mit unterschiedlichen Sprachen, Lernständen, Temperamenten und Voraussetzungen lernen gemeinsam. Diese Heterogenität gehört längst zum Alltag der Schule und sie wird weiter zunehmen. Gleichzeitig werden heute mehr Kinder durch Fachstellen abgeklärt als früher. Gründe dafür sind unter anderem besser ausgebildete Fachpersonen, die Entwicklungsauffälligkeiten früher erkennen, sowie ein offenerer Umgang mit Verhaltensproblemen. Dass Kinder dadurch gezielter unterstützt werden können, ist grundsätzlich positiv – früher blieben viele ohne passende Hilfe. Die Situation im Klassenzimmer zeigt jedoch auch Grenzen. Lehrpersonen unterrichten häufig grosse und sehr heterogene Klassen. Einige Kinder benötigen intensive Unterstützung, andere zusätzliche Förderung. Oft erhalten Kinder erst dann gezielte Hilfe, wenn eine Diagnose vorliegt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Schule und Leistung. Wie dringlich dieses Thema ist, zeigte auch der Austausch im «Forum Gute Schulen» vom 14. März 2026. Vertreterinnen und Vertreter aus Schule und Politik waren sich einig, dass Lösungen nicht allein im Klassenzimmer gefunden werden können. Wenn Vielfalt im Unterricht gelingen soll, braucht es deshalb auch politische Antworten. Erstens sind zusätzliche personelle Ressourcen notwendig. Teamteaching, heilpädagogische Unterstützung und kleinere Klassen ermöglichen es Lehrpersonen, besser auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen. Zweitens stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt der schulischen Selektion. In der Schweiz wird sehr früh über Bildungswege entschieden – ein Umstand, der bei Kindern Druck auslösen kann. Eine entwicklungsorientierte Schule müsste Kindern mehr Zeit geben. Drittens brauchen Lehrpersonen stärkere Unterstützung. Sie sind es, die im Alltag darüber entscheiden, ob ein Kind gesehen und gefördert wird. Dafür benötigen sie Zeit, ausreichende Ressourcen und gesellschaftliche Anerkennung. Die Schule spiegelt den gesellschaftlichen Wandel. Vielfalt ist keine Ausnahme mehr, sondern Normalität. Entscheidend ist, ob wir den Schulen die Bedingungen geben, gut damit umzugehen.
Michèle Schmid-Schuler, SP Kantonsrätin
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