Jubiläum
Zug feiert 600 Jahre Wallfahrt nach Einsiedeln
Nach dem Sturz einer Heiligenfigur von der Fassade der über 500 Jahre alten Kirche St. Oswald werden umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. Untersuchungen zeigen: Mehrere Bauteile aus Sandstein sind stark gealtert. Nun sind die nächsten Schritte geplant.
Der Sturz einer Heiligenfigur von der Fassade der Kirche St. Oswald hat weitreichende Untersuchungen und Restaurierungspläne ausgelöst. Nachdem Ende 2023 eine Figur von der historischen Sandsteinfassade auf den Vorplatz gefallen war, liess der Kirchenrat den Zustand der gesamten Anlage eingehend prüfen. Die Ergebnisse dieser Abklärungen liegen nun vor. Sie zeigen, dass verschiedene Bauteile der über 500 Jahre alten Kirche dringend restauriert werden müssen. Betroffen sind insbesondere Konsolen, Figuren, Baldachine und Strebepfeiler im Bereich des Chors sowie der Seitenschiffe. Gemeinsam mit der kantonalen Denkmalpflege hat der Kirchenrat inzwischen die nächsten Schritte definiert. Die geplanten Restaurierungsarbeiten wurden inzwischen öffentlich ausgeschrieben. Auslöser für die umfangreichen Untersuchungen war ein Vorfall vom 12. Dezember 2023. An diesem Tag löste sich die Figur des heiligen Wolfgang von der Sandsteinfassade der Kirche St. Oswald und stürzte auf den Vorplatz. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Der Zwischenfall machte jedoch deutlich, dass die historischen Bauteile genauer untersucht werden müssen. In der Folge wurden zunächst die beiden Strebepfeiler der Westfassade eingerüstet, um den Bereich zu sichern und eine genauere Begutachtung zu ermöglichen. Parallel dazu wurde ein Experte beauftragt, sämtliche weiteren Skulpturen an der Fassade zu untersuchen. Die Analyse zeigte, dass auch diese Figuren deutliche Spuren der Zeit tragen. Der über Jahrhunderte der Witterung ausgesetzte Sandstein weist teilweise starke Alterungserscheinungen auf. Aus Sicherheitsgründen entschied man deshalb, die noch vorhandenen Figuren zunächst provisorisch zu sichern. Sie wurden mit Spanngurten stabilisiert, um ein mögliches Herabfallen zu verhindern. Anschliessend entfernte ein spezialisierter Restaurator die Skulpturen vorsichtig von der Fassade. Die abgenommenen Figuren befinden sich inzwischen im sogenannten Lapidarium der Kirche St. Michael. Dabei handelt es sich um einen geschützten Aufbewahrungsort für historische Steinfragmente und Skulpturen. Dort lagert bereits ein grosser Teil der noch erhaltenen spätmittelalterlichen Figuren, die ursprünglich zur Kirche St. Oswald gehörten. Viele dieser Werke sind mehrere Jahrhunderte alt und stellen einen bedeutenden Teil des kirchlichen Kulturerbes dar. Die Ereignisse nahmen der Kirchenrat und die Denkmalpflege zudem zum Anlass, den baulichen Zustand weiterer historischer Kirchen in der Pfarrei zu prüfen. So wurden auch die Sandsteinfassaden der Kirche St. Michael sowie der Liebfrauenkapelle genauer untersucht.
Die Finanzierung der anstehenden Arbeiten erfolgt über einen eigens eingerichteten Fonds zur Instandhaltung der Kirchen der Pfarrei St. Michael. Die Kirchgemeindeversammlung hatte im Jahr 2024 beschlossen, diesen Fonds mit insgesamt 2,5 Millionen Franken auszustatten. Dank dieser finanziellen Grundlage konnten bereits erste dringende Massnahmen umgesetzt werden. Dazu gehört unter anderem die Restaurierung der Portale der Liebfrauenkapelle in der Unteren Altstadt. Für die weiteren Restaurierungsarbeiten an der Kirche St. Oswald ist ein grosser Teil der Finanzierung ebenfalls gesichert.
Eine besondere Herausforderung stellt die statische Situation an der Fassade von St. Oswald dar. Die historischen Figuren ruhen auf sogenannten Konsolen – steinernen Vorsprüngen, die ursprünglich dafür vorgesehen waren, das Gewicht der Skulpturen zu tragen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich jedoch gezeigt, dass diese Konsolen zunehmend belastet sind. Um langfristige Schäden zu vermeiden, wurde gemeinsam mit Fachleuten eine technische Lösung entwickelt. Das Konzept sieht vor, das Gewicht der Figuren künftig von den ursprünglichen Konsolen zu entkoppeln. Die Konsolen sollen in Zukunft lediglich ihr eigenes Gewicht tragen müssen. Die eigentliche Last der Skulpturen wird durch eine zusätzliche Konstruktion abgefangen. Diese Methode erlaubt es, die historische Substanz möglichst zu schonen und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen.
Ein Teil dieser Massnahmen wurde bereits realisiert. So wurden zwei Strebepfeiler im Bereich des Chors sowie ein weiterer Pfeiler am südlichen Seitenschiff entsprechend angepasst. In den kommenden Jahren sollen diese Arbeiten schrittweise ausgeweitet werden. Für die Jahre 2026 und 2027 ist vorgesehen, auch die übrigen Strebepfeiler an Chor und Seitenschiffen entsprechend zu sichern und zu restaurieren. Damit wird die Sanierung der Kirche St. Oswald über mehrere Etappen hinweg erfolgen.
Noch nicht abschliessend geklärt ist, wie mit den Skulpturen verfahren werden soll, die im Jahr 2024 von der Fassade entfernt wurden. Eine interdisziplinäre Expertengruppe befasst sich derzeit mit dieser Frage. Die Diskussion ist komplex. Einerseits müssen denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt werden, etwa der Erhalt der historischen Originalsubstanz. Andererseits spielen auch materialtechnische Fragen eine Rolle, beispielsweise der Zustand des Sandsteins und die langfristige Stabilität der Figuren. Möglich sind verschiedene Lösungen – von einer Restaurierung und späteren Wiederanbringung bis hin zur dauerhaften Aufbewahrung der Originalfiguren im Lapidarium bei gleichzeitiger Anbringung von Repliken.
Bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist, werden die Nischen an den Strebepfeilern der Kirche voraussichtlich leer bleiben. Nach Einschätzung der Fachleute könnte dieser Zustand noch längere Zeit andauern.
Uwe Guntern
Lade Fotos..