Zu guter Letzt
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Am Zuger Innovationstag drehte sich alles um die Frage, wie viel Zukunft sich heute bereits voraussagen lässt. Den Zuger Innovationspreis 2026 erhielt die Novocure GmbH aus Baar für ihr Medizinprodukt «Optune Gio».
Zukunft lässt sich nicht vollständig berechnen, doch gestalten lässt sie sich trotzdem. Unter dem Fokusthema «Predictive World – the Impact» versammelte der Zuger Innovationstag am 15. September im Siemens Inspiration and Convention Center Fachleute aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Neben Vorträgen und Diskussionen standen vor allem die Innovationen aus dem Wirtschaftsraum Zug im Mittelpunkt. Den Höhepunkt bildete die Verleihung des mit 10'000 Franken dotierten Zuger Innovationspreises an Novocure.
Das Siemens Inspiration and Convention Center bot den passenden Rahmen für einen Abend, an dem sich vieles um die Frage drehte,
wie die Zukunft aussehen könnte. Durch das Programm führten Albina Begic Geschäftsführerin von Technologie Forum Zug und Achim Schäpper Head Inspiration and Convention Center Siemens, der die verschiedenen Programmpunkte miteinander verband und dabei immer wieder mit einem Spruch
für Schmunzeln im Publikum sorgte.Den inhaltlichen Auftakt machte Zukunftsforscher Georges T. Roos. Er ordnete die Entwicklungen der kommenden Jahre anhand von fünf grossen Transformationen ein: der demografischen, ökologischen, geopolitischen, biologischen und digitalen Veränderung. Besonders die zunehmende Bedeutung künstlicher Intelligenz gab Anlass zur Diskussion. Dabei ging es auch um die Frage, welche Fähigkeiten künftig noch ausschliesslich dem Menschen vorbehalten sein werden.
Eine andere Perspektive brachte der Philosoph Yves Bossart ein. Er beschäftigte sich mit dem Verhältnis des Menschen zur Ungewissheit und stellte die Frage, wie viel Kontrolle überhaupt möglich und sinnvoll ist. Der Versuch, die Zukunft vollständig planbar zu machen, stosse dabei an Grenzen. «Der Zauber liegt im Unverfügbaren», zitierte er dabei den Soziologen Hartmut Rosa. Echte Resonanz entstehe dort, wo Begegnung stattfinde, nicht dort, wo man alles zu steuern versuche.
Wie unterschiedlich Innovation aussehen kann, zeigte sich bei den sogenannten InnoTag Sprints. 15 Unternehmen und Institutionen aus dem Wirtschaftsraum Zug präsentierten ihre Entwicklungen – jeweils in gerade einmal 90 Sekunden.
Das Spektrum reichte von Wearables für die personalisierte Medizin über neue Ansätze für KI-gestütztes Programmieren bis hin zu vorausschauendem Qualitätsmanagement. Auch Projekte von Unternehmen und Organisationen wie CSEM, Lightscale AI, V-Zug, Fraunhofer IPA, Datwyler, Precira, ITZ, Ruag und der Zuger Kantonalbank wurden vorgestellt. Gerade diese Vielfalt passte zum Thema des Tages. Innovation beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Branchen. Sie findet in der Medizin ebenso statt wie in der Industrie, bei Finanzdienstleistungen oder in der Entwicklung künstlicher Intelligenz.
In der anschliessenden Thesen-Arena wurde darüber diskutiert, welche Folgen diese Entwicklungen für Wirtschaft und Gesellschaft haben könnten. 53 Thesen hatte das Publikum eingereicht. Zusammen mit Georges T. Roos und Yves Bossart diskutierte auch Ralph Hamers, ehemaliger CEO, Investor und Berater, über die digitale Zukunft. Dabei blieb eine zentrale Erkenntnis bestehen: Wie die Zukunft tatsächlich aussehen wird, lässt sich nur begrenzt voraussagen.
Im Zentrum des Abends stand der Zuger Innovationspreis. Dieser wird vom Regierungsrat des Kantons Zug auf Antrag einer Jury vergeben und ist mit 10'000 Franken dotiert. 2026 ging die Auszeichnung an die Novocure GmbH in Baar. Für die Jury spielten dabei mehrere Kriterien eine Rolle. Bewertet werden unter anderem die innovative Idee, der Erfolg am Markt, die Schaffung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen sowie das Entwicklungspotenzial. Für den Standort Zug ist dabei insbesondere relevant, dass Innovation nicht nur technisch oder wissenschaftlich überzeugend sein soll, sondern auch wirtschaftliche Wirkung entfalten kann. Andreas Conne, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion und Sekretär der Jury, verwies bei der Preisverleihung auf den medizinischen Nutzen von Novocures Technologie, den internationalen Markterfolg und die neu geschaffenen Arbeitsplätze.
Interessant ist auch, wie sich die Aufgabe der Jury im Laufe der Jahre verändert hat. Der Innovationspreis wird seit 1993 vergeben und ist damit seit mehr als drei Jahrzehnten Bestandteil des Zuger Wirtschaftskalenders. Die eingereichten Innovationen seien zunehmend heterogener geworden, erklärte Conne. Das mache die Beurteilung anspruchsvoller. Die Kriterien selbst seien zwar dieselben geblieben, doch die Art und Weise, wie diese angewendet und gewichtet werden, habe sich mit der Zeit verändert. Früher wurde der Blick stärker auf das bereits Erreichte und damit auf die Vergangenheit gerichtet. Heute spiele die Frage nach der künftigen Entwicklung eine grössere Rolle. Gerade der Blick in die Zukunft sei jedoch naturgemäss schwieriger. Der Innovationspreis ist damit auch ein Spiegel dessen, wie sich das Verständnis von Innovation verändert.
Für «Optune Gio», ein tragbares Medizinprodukt zur Behandlung von Hirntumoren erhielt die Firma den Innovationspreis. Das unscheinbare Gerät wiegt lediglich rund 1,2 Kilogramm. Es erzeugt elektrische Wechselfelder, sogenannte Tumor Treating Fields (TTFields), die über Elektroden auf der Kopfhaut abgegeben werden.
Nach der Preisverleihung erklärte Marco Carrino, Vice President Global Markets bei Novocure, dem Publikum die Anwendung. Die Patientinnen und Patienten müssen sich dafür zunächst die Haare abrasieren. Anschliessend werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt und über Kabel mit dem Gerät verbunden. Die erzeugten elektrischen Felder sollen die Teilung von Krebszellen stören und damit das Wachstum von Tumoren hemmen. «Optune Gio» wird ergänzend zu etablierten Standardbehandlungen eingesetzt und kann ambulant angewendet werden. Eine möglichst lange tägliche Tragedauer ist laut Carrino entscheidend für die Wirksamkeit der Behandlung.
Die Technologie ist für Erwachsene mit neu diagnostiziertem oder wiederkehrendem Gliom WHO-Grad 4 vorgesehen. Zu dieser Gruppe gehört auch das Glioblastom, eine besonders aggressive Form von Hirntumoren. Jährlich werden rund 250 bis 300 Menschen mit einem Glioblastom diagnostiziert in der Schweiz.
Der Innovationstag machte deutlich, dass Innovation aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen kann. Während auf der Bühne über künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Veränderungen und die Grenzen von Zukunftsprognosen diskutiert wurde, zeigten die Unternehmen konkrete Anwendungen.
Auch nach dem offiziellen Bühnenprogramm blieb der Austausch bestehen. An der Ausstellung ID konnten die Gäste Innovationen verschiedener Unternehmen direkt kennenlernen. Im Impact Space präsentierte die Hochschule Luzern Ideen zur Stadt der Zukunft, die ETH Zürich lud mit dem «Digital Einstein» zum Nachdenken ein und Siemens zeigte im Experience Room technologische Anwendungen.
Am Ende stand weniger die Frage im Raum, wer die Zukunft am genauesten vorhersagen kann. Vielmehr zeigte der Abend, dass Innovation dort entsteht, wo Forschung, Unternehmertum und gesellschaftliche Fragen aufeinandertreffen.
Michael Schwegler
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