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Leonardo Genonie sieht seine Mission in Zug als nicht beendet an. Foto: Philipp Hegglin, EVZ
Die Lichtgestalt Leonardo Genoni bleibt dem EV Zug langfristig erhalten. Hier erklärt, warum er sich für eine langfristige Vertragsverlängerung entschieden hat. Und wie er es schafft, bei all den Auszeichnungen und Titeln nicht selbstzufrieden zu werden.
Leonardo Genoni, Sie verlängerten ihren Vertrag kurz vor dem Saisonstart um drei Jahre. Wenn die Übereinkunft endet, werden Sie für keinen Verein so lange gespielt haben wie für den EVZ. Was hält Sie in Zug?
Leonardo Genoni: Ich sehe meine Mission in Zug als nicht beendet an. Wir waren die letzten zwei, drei Jahre nicht dort, wo wir sein wollten. Und ich bin keiner, der davonläuft.
Wie sehr haben Sie die sommerlichen Turbulenzen im Klub mit den Abschieden des CEO Patrick Lengwiler und des Sportchefs Reto Kläy bei der Entscheidungsfindung rund um die Vertragsverlängerung beeinflusst?
Natürlich habe ich mir meine Gedanken gemacht und hatte meine Fragen. Aber ich konnte mich schnell mit dem Kurs der neuen Führung identifizieren. Hätte der EVZ einen «Rebuild» angestrebt und sich von den Ambitionen, Meister werden zu wollen, zumindest temporär verabschiedet, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr der richtige Goalie gewesen.
Um das Athletikzentrum OYM sind auch im Zusammenhang mit den Trennungen von Lengwiler und Kläy teils emotionale Diskussionen entbrannt. Wie stehen Sie zum OYM?
Mir hilft es sehr. Die Trainingsbedingungen sind einmalig und es gibt viele Experten, von denen ich profitieren kann. Ich finde im OYM genau die Unterstützung, die ich brauche, um Top-Leistungen abzurufen.
Wird das ihr letzter Vertrag sein? 2030 sind Sie 43. Der Weltklassegoalie Dominik Hasek hat bis 46 gespielt…
Diese Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht. Wer weiss schon, was 2030 sein wird? Heute fühle ich mich gut und gesund. Ich habe keinerlei Beschwerden, auch nicht in den traditionellen Goalie-Problemzone Hüfte, Knie und Rücken nicht. Ich kann mich glücklich schätzen, auf einer Position mit wenig Körperkontakt zu spielen. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, wie gut ich Checks wegstecken würde (lacht).
Fühlen Sie sich heute manchmal alt?
Ach was. Höchstens wenn ich darüber nachdenke, wie sehr sich das Eishockey seit meiner Anfangszeit im Profibereich verändert hat. Es ist heute viel angenehmer, Hockeyprofi zu sein. Der Komfort lässt sich nicht vergleichen. In der Valascia zum Beispiel konnte man nie warm duschen. Und in der Ilfishalle in Langnau auch nicht. Wenn ich über solche Dinge sinniere, realisiere ich schon: Verdammt, das ist alles schon so lange her.
Fürchten Sie sich davor, irgendwann die berühmte Saison zu viel zu spielen?
Fürchten? Überhaupt nicht. Aber es ist mir bewusst, dass man sich mit 32 eher eine schwache Saison erlauben kann als mit 39. Also gilt es, alles dafür zu unternehmen, dies zu vermeiden.
Gibt es Dinge, die Sie fernab des Eishockeys reizen?
Ich fände es spannend, irgendwann ein eigenes Unternehmen zu gründen. Leider hatte ich bisher die zündende Idee noch nicht (lacht).
Wegen der Stadionerweiterung muss der EVZ seine ersten acht Meisterschaftsspiele auswärts bestreiten. Wie geht das Team damit um?
Es zeigt, dass der Klub in Bewegung bleibt, dass er sich weiterentwickelt und wächst. Und es erhöht unsere Vorfreude, am 23. Oktober endlich wieder vor dem eigenen Publikum anzutreten. Mir persönlich hat dieser Herbst des Spielplans wegen durchaus gefallen. Wenn man pro Wochenende nur eine Partie absolvieren muss, bleibt viel Zeit zur Erholung.
Sie sprachen eingangs von einer Mission. Sie 2019 zum EVZ wechselten, lautete diese: Meister werden. Das ist Ihnen zwei Mal gelungen. Was will man noch mehr?
Als ich mich damals für Zug entschied, bin ich von einigen Leuten belächelt worden. So fühlte sich das jedenfalls an. Es waren so viele Jahre vergangen, seit der EVZ letztmals Meister geworden war. Aber wir haben es geschafft. Es war schön zu sehen, was die Titel in Zug ausgelöst haben, wie gross die Begeisterung der Bevölkerung und der Fans war. Und seither ist Nummer 3 das Ziel. Ich hoffe, dass wir wieder das Level der ersten drei Saisons erreichen können. Das waren magische Jahre. Wir müssen schauen, dass wir diesen Hunger und Drive wiederfinden.
Zahlt der EVZ heute den Preis für die Erfolge von gestern?
In gewisser Weise schon. Es macht etwas mit einem Klub und mit den Menschen, wenn man so oft gewinnt, dass man sich fast daran gewöhnt. Wir sind da in einen Strudel geraten und haben uns schwer damit getan, aus diesem herauszufinden.
Sie hatten das Problem des fehlenden Antriebs nie. Wie schafft man es, nie Genügsamkeit aufkommen zu lassen?
Ich will immer der Beste sein, das ist mein Anspruch. Ich habe als Teenager eine Weile von meinem Talent leben können. Aber im Nachwuchs des ZSC musste ich relativ schnell erkennen, dass das alleine nicht reicht. Das war prägend. Seither habe ich dieses unbändige Verlangen, mich stetig zu verbessern. Bei mir geschieht das quasi automatisch: Dass ich Spiele analysiere und abhake. Egal, ob es jetzt das entscheidende gewonnene Playoff-Finalspiel ist oder ein gebrauchter Abend, an dem ich fünf Tore kassiere. Ich überlege: Was kann ich mitnehmen? Und dann richte ich den Fokus nach vorne.
Das taten Sie auch nach der Heim-WM im Mai, bei der abermals sehr wenig zum Weltmeistertitel fehlte. Ihr langjähriger Weggefährte Reto Berra hat seine Nationalmannschaftskarriere im Sommer beendet. Hatten Sie diese Gedanken auch?
Es war eine Überlegung, ja. Wenn wir den Kübel geholt hätten, wäre es das für mich wahrscheinlich gewesen, das wäre ein wunderbarer Schlusspunkt gewesen. Aber so ist es halt etwas anderes. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht allen jüngeren Goalies gefällt, dass ich so lange spiele. Aber ich sehe es so: Es soll der beste Torhüter spielen. Wenn ich das bin, dann wunderbar. Und wenn nicht, dann akzeptiere ich das und fiebere als Fan mit. Aber ich überlasse diesen Entscheid dem Nationaltrainer Jan Cadieux.
Sie sind dreifacher Familienvater. In diesem Jahr dauerte ihre WM-Kampagne inklusive Vorbereitung fast zwei Monate. Wie organisiert man sich da als Familie?
Es geht nur, weil meine Partnerin mir den Rücken freihält. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich liebe es, Weltmeisterschaften zu spielen. Es macht Spass, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen.
Sie stehen in der achten Saison mit dem EVZ, leben aber weiterhin in ihrer Heimatgemeinde im Kanton Zürich. Welchen Flecken rund um Zug schätzen Sie?
Das Hölloch, ein wunderbarer Ort für Familienausflüge!
Wie kommen Sie neben all dem Eishockey auf andere Gedanken?
Ich habe mir zu Hause eine kleine Schreinerei eingerichtet und geniesse es, mit Holz zu arbeiten. Ich bin nicht sonderlich begabt, aber manchmal fertige ich für Teamkollegen kleine Möbelstücke an. Zuletzt habe ich für Lukas Baumgartner, unseren langjährigen Teammanager bei der Nationalmannschaft, ein «Brändi Dog»-Spiel fertiggestellt.
Nicola Berger
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