Zu guter Letzt
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Josephine Keiser circa 1910.
Josephine Keiser prägte als engagierte Frauenrechtlerin und Sozialreformerin die Entwicklung des Kantons Zug. Mit ihrem Einsatz für die Bildung und beruflichen Möglichkeiten von Frauen sowie für das Gesundheits- und Sozialwesen trug sie wesentlich dazu bei, neue Strukturen und Institutionen in der Region aufzubauen.
Josephine Keiser erkannte früh in ihrem Leben die Notwendigkeit für Weiterbildung und den Schutz von Frauen. Als Tochter einer bürgerlichen Familie kannte sie aus erster Hand den Mangel an standesgemässe Berufsausbildung und Erwerbsmöglichkeiten für Frauen in ihrem Stand. Josephine wurde 1875 geboren und verbrachte ihre Kindheit in Luzern bis sie mit 11 Jahren nach Zug kam um eine Ausbildung im katholischen Mädcheninstitut von Menzingen zu erhalten. Im Alter von 15 wurde Josephine ins Elternhaus zurückgerufen, wo sie im Haushalt mitarbeitete und ihren kranken Vater pflegte. Nach dem frühen Tod ihres Bruders und ihres Vaters 1891 zog ihre Mutter mit Josephine und ihrem Sohn Karl Wolfgang nach Zug. In Zug zog die Familie in das Vaterhaus Stella Maris an der Artherstrasse ein. Josephine Keiser entschied sich bewusst dafür, unverheiratet zu bleiben, um sich ganz ihrem Engagement für die Bildung und die Rechte von Frauen widmen zu können. Einen Heiratsantrag lehnte sie ab. Stattdessen setzte sie sich zunehmend für die Anliegen junger Frauen ein und unterstützte ihren Beichtvater Carl Müller bei der Sonntagsvereinigung junger Mädchen. Ihre persönliche Entscheidung, auf eine Ehe zu verzichten, stand damit eng im Zusammenhang mit ihrem Wunsch, sich unabhängig und ganz für die Verbesserung der Lebens- und Bildungschancen von Frauen einzusetzen.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich Josephine für die Erschliessung neuer beruflicher Tätigkeitsfelder für Frauen sowie für die Etablierung spezifischer Berufsausbildungen ein. Diese Anliegen prägten die Arbeit der Frauenvereine, in denen sie in Zug eine bedeutende Rolle spielte. Gemeinsam mit weiteren Frauen aus den katholischen Frauenvereinen in Zug gründete Josephine Keiser 1905 die Genossenschaft Marienheim am Zugersee.
Mit Unterstützung von Josephine Keiser führten die Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen die erste Haushaltungsschule des Kantons Zürich. Im April 1906 bezog die Genossenschaft den «Seehof» und eröffnete 1909 die «Töchterfortbildungs- und Haushaltungsschule Santa Maria». Die Schule vermittelte Kenntnisse und Fähigkeiten für Haushalt und Familienführung und orientierte sich damit am damaligen Rollenverständnis von Frauen als Ehefrauen, Hausfrauen und Mütter. Santa Maria bot «Kurse im Weissnähen, Flicken, Waschen, Glätten, Kleidermachen und vor allem Kochen und Haushaltskunde mit Anleitungen zur Planung von gesunden Mahlzeiten, zu Einkauf und Aufbewahrung der Lebensmittel, Buchführung bis hin zu guten Tischmanieren an». Die Schülerinnen erhielten zudem «Unterricht im Fach Gartenbau».
Ziel war, dass die Bewohnerinnen «im Sinne bürgerlicher Normvorstellungen zu Sauberkeit, Ordnung, Sparsamkeit und Sittlichkeit erzogen werden sollten». Im Laufe der Jahre entwickelte sich Santa Maria für mehrere Generationen von Frauen zu einem wichtigen Ausbildungsort. Josephine Keiser war von 1908 bis 1965 Präsidentin des Marienheims und anschliessend bis zu ihrem Tod Ehrenpräsidentin. Zudem war sie von 1908 bis 1967 Mitglied des Stiftungsrats.
Zudem war sie Mitglied des Zentralkomitees des im Jahre 1912 gegründeten Schweizerischen Katholischen Frauenbundes. Am 4. März 1913 trat der Zuger Kantonale Frauenbund erstmals zu einer protokollierten Vorstandssitzung zusammen. Laut dem ältesten Dokument im Pfarreiarchiv wurde Josephine Keiser dabei zur Kassiererin gewählt. Der Frauenbund setzte sich unter anderem für die Einführung eines obligatorischen Hauswirtschaftsunterrichts sowie für eine Berufsberatung für Mädchen und Frauen ein. 1915 begann er zudem, eine Anleitung zur Übernahme von Vormundschaften durch Frauen auszuarbeiten, nachdem das neue Zivilgesetzbuch von 1907 dafür die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen hatte. Ab 1917 engagierte sich auch Keiser in der Berufsberatung und bot diese im Rahmen des Frauenbundes für Frauen an.
Josephine Keiser engagierte sich nicht nur für die Ausbildung und beruflichen Möglichkeiten von Frauen, sondern auch in zahlreichen sozialen und kirchlichen Organisationen. Bereits 1895 gründete sie gemeinsam mit Carl Müller die Marianische Jungfrauen-Kongregation und übernahm deren Präsidium. Viele Jahre stand sie zudem dem Katholischen Mädchenschutzverein im Kanton Zug vor, der später unter dem Namen Pro Filia bekannt wurde. Auch im Frauenhilfsverein Zug war Keiser aktiv: Sie gehörte zu dessen Mitbegründerinnen und übernahm das Amt der Kassiererin.
Ihr Engagement ging jedoch noch weiter. 1910 gründete sie zusammen mit Carl Müller den «Verein für Kranken- und Wochenpflege im Kanton Zug». Als dessen Leiterin und langjährige Präsidentin setzte sie sich für die Betreuung von Kranken und Wöchnerinnen ein. 1921 folgte die Gründung des «Schwesternbundes Unserer Lieben Frau vom Orden des hl. Franziscus», bei der Keiser als Mitbegründerin und Oberin wirkte. Der Schwesternbund war im Spital Liebfrauenhof in Zug tätig und wurde auch als Zugerschwestern oder Liebfrauenschwestern bezeichnet. Bis zum Abriss der Klinik 1998 kamen dort über Generationen hinweg zahlreiche Kinder zur Welt.
Keiser engagierte sich auch bei der Entwicklung weiterer sozialer Einrichtungen. Sie war Mitinitiantin der Familienhelferinnen, der Pflegerinnenschule, der Schwesternschule im Schwesternhaus und des Wöchnerinnen- und Kinderheims Waldheim. Daneben wirkte sie bei Pro Juventute mit und war als Inspektorin für die kantonalen Arbeits- und Hauswirtschaftsschulen tätig. Auch beim Aufbau verschiedener Einrichtungen im Kanton Zug und darüber hinaus spielte Keiser eine wichtige Rolle. Unter ihrer Mitwirkung wurden das Marienheim, das Schwesternhaus an der ehemaligen Kasernenstrasse und das Waldheim in Zug gebaut, gekauft oder erweitert. Ebenso war sie am Aufbau beziehungsweise an der Erweiterung der Kliniken Liebfrauenhof in Zug und Santa Chiara in Locarno beteiligt. Zu den weiteren Einrichtungen, die mit ihrem Wirken verbunden sind, gehören die Villa Theresia in Zug, der Einsiedlerhof in Einsiedeln, das Mütterheim Aurora in Locarno, das Schwesternheim Waldhus sowie das Wohnheim Maihof in Zug.
Ihr Einfluss auf Zug ist bis heute spürbar. Über Jahrzehnte hinweg setzte sich Josephine Keiser für die Förderung des Bildungs- und Gesundheitswesens in der Stadt und im Kanton Zug ein. In zahlreichen Frauenvereinigungen und sozialen Institutionen übernahm sie leitende und beratende Aufgaben und leistete damit einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der sozialen Unterstützung in Zug. Ihr Wirken setzt sich auch nach ihrem Tod fort: 1999 entstand die Stiftung Santa Maria Zug als Nachfolgeorganisation der Genossenschaft Marienheim.
Die Stiftung führt das Engagement des Marienheims weiter und passt ihre Arbeit an die heutigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse an. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung sozial benachteiligter Frauen, insbesondere von alleinstehenden und alleinerziehenden Frauen. Damit wird ein Anliegen, für das sich Josephine Keiser bereits zu ihrer Zeit einsetzte, bis heute weitergeführt.
Sofija Prsic
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